In Jona entsteht ein nachhaltiges Mehrgenerationenhaus direkt am Fluss. Das Wohngebäude in Massivholzbauweise verzichtet auf Kunststoffe und setzt auf natürliche Rohstoffe. Dank moderner Technik versorgt es sich selbst mit Energie. Materialität, Energiekonzept und Gestaltung verbinden sich zu einem zeitgemässen Wohnkonzept.
Die klare Form und das expressive, auf Solarenergie optimierte, Dach verleihen dem Haus eine markante Silhouette. Frei verteilte Fenster erzeugen eine skulpturale Anmutung, während kleine Anbauten Maßstäblichkeit verleihen. Zwei Wohneinheiten auf drei Etagen bieten Platz für drei Generationen. Ein zentraler Treppenkern gliedert den Grundriss und trennt öffentliche von privaten Bereichen. Der Innenausbau setzt konsequent auf unbehandeltes Vollholz für eine warme natürliche Atmosphäre.
Passivbauelemente und moderne Technik minimieren den Energieverbrauch erheblich. Die Südfassade nutzt gezielt Solarenergie, massive thermische Bauteile speichern Wärme und Dachanlagen erzeugen ausreichend Strom, um die Wohnräume kontinuierlich zu versorgen. Im Inneren regulieren Lehmputz und Holz das Raumklima auf natürliche Weise.
Die Konstruktion setzt auf nachwachsende Rohstoffe. Hohe Vorfertigungsanteile erhöhen Effizienz und reduzieren Bauabfälle. Schweizer Holz bildet die Primärstruktur, Innenwände im Untergeschoss aus zementfreien Lehmsteinen regulieren Feuchtigkeit. So wird das Mehrgenerationenhaus zum Vorbild für ressourcenschonende Architektur.
TEAM
Philipp Schaefle, Hendrik Steinigeweg, Anabell Fritsches, Raphael Eichenmann
BETEILIGTE
Holzbau Nägeli AG, Gebrüder Giezendanner AG, Energie-Werkstatt / Gebhard Keckeis, Briner Bau AG, Schreinerei Lindauer AG, Oberholzer Spenglerei & Sanitär, Lehm AG, HanfhandwerkTobler Metallbau AG, Elektrizitätswerk Jona-Rapperswil AG, Winkler Solar, Gerevini Ingenieurbüro, Kuster+Partner AG, Schmidt & Kündig Ingenieure AG
Interview: «Vierfach genutzte Sonnenenergie»
Ein Gespräch mit Hendrik Steinweg (Studio Noun) über das Mehrgenerationenhaus in Jona. Dieses Interview basiert auf einem Vortrag von Hendrik Steinweg und wurde redaktionell für die Website von Studio Noun aufbereitet. → Vortrag in voller Länge.
Am Anfang stand der Wunsch nach einem Mehrgenerationenhaus. Was war darüber hinaus der inhaltliche Ausgangspunkt für dieses Projekt?
Die Bauherrschaft hatte eine sehr klare Haltung: Wenn sie noch einmal ein Haus baut, dann soll dieses einen möglichst kleinen Fussabdruck haben – nicht nur in der Erstellung, sondern vor allem auch im Betrieb und im Unterhalt. Es ging also von Beginn an um Verantwortung, um langfristiges Denken und um die Frage, wie man ein Haus so plant, dass es über Generationen hinweg sinnvoll funktioniert.
Ein zentrales Element des Projekts ist die leimfreie Vollholz-Konstruktion. Warum war dieses Konstruktionsprinzip für Sie so wichtig?
Vollholz ermöglicht eine sehr robuste und langlebige Bauweise und ist gleichzeitig ein CO₂-Speicher. Das verwendete System kommt ohne Metall und ohne Klebstoffe aus. Der Wandaufbau ist atmungsaktiv und sorgt für ein angenehmes Raumklima – vergleichbar mit einer Gore-Tex-Jacke. Zudem stammen Material und Verarbeitung aus regionalen Lieferketten, was die lokale Wertschöpfung stärkt und Emissionen reduziert.
Die Sonne spielt im Projekt eine zentrale Rolle. Was war der Gedanke hinter einem so konsequent solaren Energiekonzept?
Die Sonne ist eine Energiequelle, die täglich und kostenlos zur Verfügung steht. Ziel war es, diese Energie nicht nur punktuell, sondern möglichst vielseitig und effizient zu nutzen. Deshalb wurde das Gebäude so ausgerichtet und konzipiert, dass solare Gewinne sowohl aktiv als auch passiv genutzt werden können.
Sie sprechen von einer vierfachen Nutzung der Sonnenenergie. Was ist damit konkret gemeint?
Erstens wird über eine Photovoltaikanlage Strom erzeugt. Zweitens liefert eine Solarthermieanlage Wärme. Drittens nutzt das Gebäude passive solare Gewinne durch nach Süden orientierte Fassadenöffnungen. Viertens ist auch der Aussenraum Teil des Konzepts: Der Garten wirkt über Begrünung, Verschattung und Verdunstung klimaregulierend, speichert Wasser und produziert Biomasse.
In vielen aktuellen Diskussionen gilt Photovoltaik als die zentrale Lösung der Energiewende. Warum haben Sie sich bewusst dafür entschieden, Solarthermie so stark in den Fokus zu rücken?
In Wohngebäuden entfällt der Grossteil des Energiebedarfs nach wie vor auf Wärme – etwa drei Viertel. Strom zu produzieren und ins Netz einzuspeisen ist mit Verlusten verbunden, insbesondere bei Speicherung und Transport. Solarthermie erlaubt es, Wärme direkt dort zu erzeugen, wo sie gebraucht wird. Das ist aus unserer Sicht deutlich effizienter.
Statt eines klassischen Speichers nutzen Sie die Gebäudestruktur selbst zur Wärmespeicherung. Wie funktioniert dieses Prinzip?
Die Massivbauteile des Hauses – Bodenplatte und Decken – werden thermisch aktiviert. Leitungen führen warmes Wasser aus dem Solarthermie-Kollektor durch diese Bauteile, die sich dadurch erwärmen und Energie speichern. Ein Teil der Energie wird direkt genutzt, der grössere Teil gespeichert. In Kälteperioden ergänzt eine Wärmepumpe das System, indem sie auf diese gespeicherte Energie zurückgreift.
Beim Thema Energie und Gebäudetechnik geht man oft davon aus, dass die Lösung in immer komplexerer High-Tech liegt. Gleichzeitig sprechen Sie hier bewusst von Low-Tech. Wie ist dieses Prinzip zu verstehen?
Low-Tech bedeutet in diesem Projekt nicht Verzicht, sondern Konzentration auf das Wesentliche. Es geht um einfache, robuste Systeme mit möglichst wenig Technik, die langfristig funktionieren und wartungsarm sind. Das Haus kommt mit wenigen Komponenten aus, ist unabhängig von Energiepreisschwankungen und verzichtet bewusst auf komplexe Steuerungen.
Nicht jedes Projekt hat dieselben Voraussetzungen wie ein Neubau. Was lässt sich aus diesem Haus dennoch auf andere Bauaufgaben übertragen?
Jedes Projekt ist individuell und muss an seine Rahmenbedingungen angepasst werden. Dennoch zeigt dieses Haus, wie wichtig es ist, Gebäude ganzheitlich zu denken, andere Disziplinen früh einzubeziehen und bestehende Annahmen zu hinterfragen. Einfaches, gut gestaltetes und robustes Bauen schafft langfristige Flexibilität und echte Nachhaltigkeit.



















































